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Siegel "Gesunde Schule" im Bodenseekreis - Detailansicht


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Grunddaten

Titel Siegel "Gesunde Schule" im Bodenseekreis Antragsdatum
Titel (englisch) Personenmonate
Laufzeit von 01.01.2009 freigegeben J
Laufzeit bis 31.12.2013 Hyperlink
Bewilligungsdatum Projektart Projektarbeit
Kostenträgernummer Änderungsdatum 09.01.2012 20:40:16

Inhalt

Beschreibung Kinder und Jugendliche stellen – auch in Deutschland – eine in verschiedener Hinsicht gesundheitlich gefährdete und belastete Gruppe dar (Scriba 2007). Ihre gesundheitlichen Belastungen ergeben sich großteils aus – sich teils rapide verändernden – Lebensstilen und –weisen und sind somit theoretisch vermeidbar. Desweiteren ist das Kindes- und Jugendalter prägend hinsichtlich vieler Verhaltensweisen mit großem Einfluss auf unsere Gesundheit im Erwachsenenalter. Entsprechend gehören Kinder und Jugendliche international, in Deutschland, Baden-Württemberg wie auch vielen Regionen zu den wichtigsten Zielgruppen für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention. Dies spiegelt sich auf verschiedenen regionalen Ebenen in präventionsbezogenen Gesundheitszielen für Kinder und Jugendliche wieder (GVG 2003; LGA-BW 2006; WHO 2006; MAS-BW 2009).
Gesundheit entsteht nicht hauptsächlich im Gesundheitssystem, sondern dort, wo Menschen leben und dadurch, wie sie leben (Mc Keown 1976; WHO 1986). Aus dieser Erkenntnis ist das Konzept der Gesundheitsförderung in Lebenswelten, den sogenannten Settings, entstanden. Die wichtigsten Lebenswelten von Kindern sind die Familie, der Kindergarten bzw. die KiTa, die Schule und der Jugendfreizeitbereich (BZgA 2000). Die Erreichbarkeit dieser Lebenswelten im Rahmen gesundheitsförderlicher Maßnahmen ist unterschiedlich, ebenso die Präsenz besonders belasteter Zielgruppen (SVR-Ges 2007). Die Schule als Lebenswelt nimmt hier insofern einen besonderen Stellenwert ein, da dort aufgrund der Schulpflicht alle Kinder und verschiedenste Altersgruppen zu finden sind, das professionelle Setting Schule per se einen stark prägenden und teils modifizierbaren Einfluss auf sie ausübt und andererseits die gesundheitliche Situation der Beteiligten wesentlichen Einfluss auf den Bildungsauftrag der Schule hat (IKK-Bundesverband 2008).
Gleichzeitig stellt die Schule ein betriebliches Setting für verschiedene Berufsgruppen dar. Speziell die zahlenmäßig dominierende Lehrerschaft stellt als gesundheitlich hochbelastete Berufsgruppe eine wichtige Zielgruppe für Maßnahmen dar. Die Förderung der Lehrergesundheit hat darüber hinaus positive Auswirkungen auf die Lebenswelt Schule und die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen (SVR-Ges 2007).

Die Präambel
Die Präambel dient der Verankerung der schulischen Gesundheitsförderung in übergeordnete Konzepte, speziell der WHO. Wesentlich verankert sind die drei Kernstrategien der Umsetzung der Gesundheitsförderung im Setting nach der Ottawa-Charta „Befähigen und ermöglichen“ (enabling), „Interessen vertreten“ (advocating) und „Vermitteln und vernetzen“ (mediating) (WHO 1986). Die Kriterienauswahl erfolgt dabei in Anlehnung an etablierte Setting-Netzwerke und wurde auf die Spezifika des Settings Schule angepasst (ENHPS 1997; Gesunde-Städte-Netzwerk 2000; AK-GF-HS 2007).
• Befähigen und ermöglichen: Die WHO-Kernstrategie „enabling“ (Ermöglichen und befähigen zur Erreichung gesundheitlicher Chancengleichheit und der Förderung individuell größtmöglicher Gesundheitspotentiale) findet sich in mehreren Präambelkriterien, ganz herausgehoben in den Kriterien 4 und 5 sowie im spezifischen Siegelkriterium 5 wieder. Diese Kernstrategie fokussiert auf die Etablierung von Partizipationsmöglichkeiten, eine darauf angepassten Kommunikation und dadurch von allen WHO-Strategien am stärksten auf das Selbstverständnis des Settings, hier der Gesamtinstitution Schule.
• Interessen vertreten: Die WHO-Kernstrategie „advocating“ (Gesundheit als Leitwert etablieren sowie konkrete gesundheitsförderliche Gestaltung von Verhältnissen und Verhalten) findet sich in den meisten Kriterien sowohl von Präambel wie auch in den spezifischen Siegelkriterien wieder. Herausgehoben seien hier die Präambelkriterien 1 und 2, die auf die Etablierung des Leitwerts Gesundheit im Setting fokussieren sowie die spezifischen Siegelkriterien 1 und 2, welche die konkreten Maßnahmen zur gesundheitsförderlichen Veränderung von Verhalten und Verhältnissen abfragen.
• Vermitteln und vernetzen: Die WHO-Kernstrategie „mediating“ (Vermitteln und vernetzen als Grundvoraussetzung für eine multidisziplinäre Erreichung bestmöglicher Gesundheit sowie die Einflussnahme auf angrenzende Lebenswelten) findet sich ebenfalls in mehreren Präambelkriterien sowie den spezifischen Siegelformularen wieder. Das Präambelkriterium 8 bezieht sich dabei konkret auf die Einflussnahme auf das für die Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter zentrale Setting Familie, das Siegelkriterium 4 auf die Vernetzung zur Erreichung bestmöglicher Ergebnisse in einem spezifischen Gesundheitsbereich.

Die schon traditionell hochdynamische Lebenswelt Schule ist speziell in den vergangenen Jahren durch verschiedenste politische, gesellschaftliche und administrative Anforderungen geprägt. Dies limitiert erfahrungsgemäß die Erreichung des Settings für eine als von den wesentlichen Akteuren im Setting Schule als zu aufwendig und administrativ überladen empfundene Gesundheitsförderung ganz erheblich. Bei Auswahl und Formulierung aller Kriterien wurde daher großer Wert auf Kürze, Übersichtlichkeit sowie Allgemeinverständlichkeit gelegt. Möglich wurde dies durch die multidisziplinäre, wissenschaftlich begleitete Entwicklung der Kriterienkataloge durch Praktiker aus den Feldern Gesundheitsförderung und Schule.

Die spezifischen Siegelkriterien

Die Fragebögen zur Erhebung der spezifischen Informationen zu den einzelnen Siegelkriterien weisen eine einheitliche Struktur auf. Genauer erfragt werden jeweils fünf Unterpunkte, die im Folgenden erläutert werden:
1. Gesundheitsangebote: Erfragt werden Maßnahmen, welche auf die konkrete Stärkung gesundheitsförderlichen Verhaltens zielen (Verhaltensprävention).
2. Räumliche, zeitliche und organisatorische Bedingungen: Erfragt werden strukturelle Maßnahmen, die auf gesundheitsförderliche Verhältnisse zielen (Verhältnisprävention).
3. Schwierige Situationen: Erfragt wird der Umgang mit gesundheitlichen Risikosituationen, in denen eine frühe Erkennung von Problemlagen und spezifische Interventionen möglich sein können (Sekundärprävention, indizierte Prävention).
4. Außenbeziehungen: Erfragt werden Grad und Qualität der gesundheitsförderlichen Vernetzung (Interdisziplinarität, mediating).
5. Akzeptanz und Wirksamkeit: Erfragt werden Zielgruppenerreichung und ggf. stattgefundene weitere Prüfungen zur Wirksamkeit (Qualitätsmanagement, Evaluation).

Punkt 1 und 2 der spezifischen Siegelkriterien erfragen die konkrete Maßnahmenebene im Sinne des oben erläuterten „advocating“ (positive Beeinflussung der Determinanten für Gesundheit). Beste Erfolge werden erzielt, wenn beide Zielrichtungen parallel genutzt werden (WHO 1986; BZgA 2000; WHO 2006).
Punkt 3 fokussiert die Tatsache, dass Schule nicht nur eine prägende Lebenswelt, sondern gleichzeitig einen Raum zur frühzeitigen Erkennung wichtiger Problemlagen darstellt. Durch eine gelungene Früherkennung und einen professionellen Umgang mit Problemen etwa in Form einer spezifischen Förderung können die Manifestierung oder die Verschlimmerung von Gesundheitsstörungen vermieden werden.
Punkt 4 erfragt den Grad der erreichten Vernetzung für die Gesundheitsförderung. Die Förderung von Gesundheit in einer Lebenswelt wie der Schule ist ein komplexer Prozess, an dem mehrere Disziplinen beteiligt sein müssen, damit sie nachhaltig gelingt (IKK-Bundesverband 2008).
Punkt 5 erfragt Informationen, die zur Qualität der Gesundheitsförderung in der Schule erhoben wurden. Die Qualität von Maßnahmen zur Prävention und Gesundheitsförderung ist in der Vergangenheit teils vernachlässigt worden (SVR-Ges 2005). Die Erreichung wichtiger Zielgruppen und die Wirksamkeit sollte wenn möglich mit einfachen Mitteln geprüft werden, damit die Kräfte mit größtem Nutzen für die Gesundheit eingesetzt werden (IKK-Bundesverband 2008).

Die sieben möglichen Siegelthemen lehnen sich eng an die für verschiedene regionale Ebenen verabschiedeten Gesundheitszielkataloge an, sie orientieren sich insofern an der etwa durch die Gesundheitsberichterstattung objektivierten Bedarfslage. Durch die Nutzung der überregional erarbeiteten Zielkorridore werden die im Setting Schule aktuell wichtigsten Gesundheitsthemen aufgegriffen.
Im Einzelnen sind dies die Zielbereiche „Bewegung“ und „Ernährung“, die eng miteinander verwobenen stark psychosozial ausgerichteten Zielbereiche „Suchtprävention“, „Gewaltprävention“ und „Seelische Gesundheit“ sowie als weiter gefasstes Themenfeld „Gesundheit und Körper“. Darüber hinaus wird für die klare Fokussierung auf die Mitarbeitergesundheit das Siegel „Gesundheit am Arbeitsplatz“ verliehen.
Der Bereich der „psychosozialen Gesundheit“ wurde in die drei o.g. Bereiche aufgegliedert, da für die Teilthemen „Sucht“ und „Gewalt“ spezifische und im Setting Schule bereits etablierte Strukturen bestehen. Das übergeordnete Siegel „Seelische Gesundheit“ wurde aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz, der spezifischen Bedarfslage und zur Förderung der Entstigmatisierung des Themenfelds hinzugefügt (GVG 2006; WHO 2006).
Das weniger spezifizierte Themenfeld „Gesundheit und Körper“ stellt ein Siegel dar, das Schulen mit besonderem Engagement in weiteren, nicht oben aufgeführten Bereichen erhalten können. Notwendig für eine Siegelvergabe ist es, dass in den gewählten Themenfeldern ein Bedarf offensichtlich ist (z.B. Impfschutz, Sexualpädagogik).

Weitere Informationen zum Projekt siehe auch: www.siegel-gesunde-schule.de

Zuordnung zu Einrichtungen

Institut für Angewandte Forschung (IAF)

Autoren/Betreuer (intern)

Szagun, Bertram, Professor Dr. med.   (Leitung)   

Strukturbaum
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